Das Teehaus wurde zwischen 1706 und 1712 nach Entwürfen des Zeitzer Landbaumeisters Johann Heinrich Gengenbach errichtet. Vergleichbare Gebäude dieses Baumeisters sind momentan leider nicht bekannt.
Die Hauptaufgabe Gengenbachs bestand seit 1703 eigentlich in der Leitung der Um- und Neubauten am Altenburger Schloss. Im Zuge der barocken Neugestaltung des Schlossgartens, war die Errichtung eines neuen Lusthauses für das repräsentative Gesamtkonzept unerlässlich.
Somit hat er dieses, später als Teehaus bezeichnete Gebäude, im Stil eines kompackten barocken Zentralbaus entworfen. Innerhalb der Schlossgartenanlage bildet es den Höhepunkt.
Das Gebäude selbst besteht seinem Zweck, dem Vergnügen, entsprechend in der oberen Etage aus einem großen, kunstvoll verzierten Festsaal. Der Stuckateur Domenico Castelli und der Maler Carolo Ludovico Castelli haben hier eine der schönsten und plastischsten Stuckdecken Altenburgs geschaffen. (vgl. Künzl)

Der gesamte Bau ist fast in allen seinen Komponenten symmetrisch aufgebaut und entspricht damit ganz dem Geschmack der Zeit. Dies zeigt sich vor allem in dem kreuzförmigen Grundriss des Gebäudes und in der Gestaltung des Festsaals.

Der Außenbau ist klar gegliedert, wobei sich das Obergeschoss durch die reiche Verzierung deutlich von dem mit einer Rustika-Verblendung versehenen Sockelgeschoss abhebt.
Die West- und Ostseite sind durch drei große Rundbögen mit dahinterliegenden Arkaden als Gebäudezugänge erkennbar. Wobei die dem Schloss zugewandte Westfassade deutlich als Hauptzugang durch die beiden dort ansetzenden Außentreppen, welche jeweils zu einer Terasse und ins Obergeschoss führen, gekennzeichnet ist.

Durch die östlichen Arkaden gelangt man zunächst in einen offenen Kreuzgewölbegang, von dem aus das Untergeschoss betreten werden kann. (Ein Ausgang zur Westseite existiert ebenfalls.)

Durch die kleinen Abweichungen von der prinzipiellen Symmetrie wird der herzögliche Weg in das Lusthaus hervorgehoben und die von den Bediensteten zu benutzenden Gebäudeteile kaschiert.
Des Weiteren ist die südliche Terrasse, als die größere und sonnigere, sicherlich die hauptsächlich benutzte gewesen. Dem entsprechend ist diese nicht nur mit einem einfachen Geländer, sondern zusätzlich mit zwei verzierten Postamenten, die ehemals von pokalartigen Steinplastiken bekrönt wurden, versehen.

Die Ecknischen des Terrassenunterbaus schmückten weibliche Statuen, von denen heute leider keine mehr erhalten ist.
Die achtzehn Rundbogenfenster sind mit verzierten Agraffen geschmückt und reichen bis zum Gurtgesims, lediglich im unteren Viertel sind sie durch einen steinernen Querbalken geteilt. Die mittleren Fenster sowie die beiden Eingänge werden von Blumenfestons umrahmt, andere von Palmwedeln.

Das abschließende Kranzgesims ist mit einer kunstvollen Ranke aus Akanthuslaub und kleinen Lorbeerkränzen gestaltet.
Das schiefergedeckte Walmdach ist durch eine konkav geschwungene, flache Mansarde gegliedert, in der sich jeweils über den Eingängen ein Kappfenster befindet.

In alten Inventarien ist die Ausstattung des Festsaals beschrieben. Das Mobiliar bestand demzufolge damals aus einer großen ovalen Tafel und zwei kleinen Tischchen sowie acht Stühlen aus Eichenholz. Die vier Säulen mit reich geschmückten Kompositkapitellen waren marmoriert bemalt und der Fußboden mit Alabasterplatten belegt. (vgl. Künzl)

Der ausgewogene Lichteinfall durch die ringsherum angeordneten Fenster und die wahrscheinlich in hellen Farben gehaltenen Wände ließen diesen Raum sicherlich angemessen erstrahlen.
(Die Abbildungs rechts, aus dem Jahr 2005, zeigt einen Blick in den Ostflügel. Die Fenster sind aus Sicherheitsgründen vermauert.)

Die Stukverzierungen

Die Stuckarbeiten führte Domenico Castelli aus. Domenico Castelli gehörte zur damals nicht nur in Thüringen, sondern auch am Rhein oder in Bayern bekannten Castelli-Werkstatt. Zu dieser zählten u.a. auch Giovanni Pietro Castelli (der Vater Domenicos) und dessen Bruder Carlo Antonio Castelli, die zu der Zeit am Schloss tätig waren. Mit einem beträchtlichen Formenschatz an Ornamentmotiven ausgerüstet, führt Domenico Castelli die neuesten Dekorationsprinzipien in Altenburg ein, z.B. das so genannte Bandelwerk: fein stilisierte Bandformen umrankt von zartem Akanthus, Blüten und Blattwerk.
Dieses ist im Teehaus unter anderem in der sehr kunstvollen Ausführung der Umrahmung des Deckenspiegels zu sehen.

 

Besondere Beachtung verdienen natürlich die wunderschönen Putten, die in ihrer ins Auge springenden Plastizität wirklich kleine Meisterwerke darstellen. Sie sitzen spielerisch auf angedeuteten Sockeln und zeigen uns verschiedene Wappenschilde oder Kronen. Zwischen ihnen vermitteln Blumenarrangements oder kleine in Stuck gerahmte Gemälde. In den Ecken sehen wir große Muscheln, die wiederum von Blumen, Akanthus und Voluten umgeben sind.

Das Deckengemälde

Das Deckengemälde und die kleineren Fresken schuf Carolo Ludovico Castelli, welcher oft mit dem Stuckateur Domenico Castelli zusammenarbeitete; aber wahrscheinlich nicht mit den besagten Castellis verwandt war. Carolo Ludovico Castelli war, bevor er nach Altenburg kam u.a. in Bamberg tätig und wurde später Hofmaler in Kassel.

Das Thema der Deckenmalerei ist leider nicht bekannt. In der vielfigurigen Szene werden eventuell verschiedene Tugenden dargestellt, die in Bezug zum Regierungsprogramm Friedrich II. standen. Es ist allerdings bisher noch keine genaue Deutung der Symbolik gelungen. Vielleicht sind auch andere für die Zeit typische Allegorien (z.B. zur Natur, zu Jahreszeiten oder Sternen) dargestellt oder es handelt sich möglicherweise um beim Herzog besonders beliebte Musen.

Auch im Altenburger Schloss existieren mehrere Deckengemälde Carolo Ludovico Castellis, deren Figuren ebenfalls nicht alle identifizierbar sind.

Die auf den kleinen Fresken dargestellten Putten erscheinen spielerisch und vergnügt und illustrieren so den eigentlichen Zweck des Teehauses, nämlich Amusement und Vergnügen.
Anzumerken wäre in diesem Zusammenhang noch, dass nach neuesten Untersuchungen die Deckengemälde nicht „al fresco“, sonden „al secco“ gemalt wurden. Was aber die umgangssprachliche Bezeichnung als Fresken nicht beeinträchtigen muss.

Die Grotte

Unter der südlichen Terasse befindet sich ein dreiteiliger, mit Kreuzgewölben und mehreren kleinen Wandnischen versehener Raum, den man über einige abwärtsführende Stufen vom Schlossgarten aus betreten kann. Ein unterirdischer Verbindungsgang führt an der Westseite des Teehauses entlang bis zu einem kleinen Raum unterhalb der nördlichen Terasse, welcher von den östlichen Arkaden aus zugänglich ist und von dem man einen tonnengewölbten Keller erreicht.

Eine mögliche Erklärung wäre, dass es sich bei diesem Raum um eine ehemalige Grotte handelt. Derartige Grottenarchitektur ist in schriftlichen Quellen für das Teehaus zwar wahrscheinlich nicht belegt, aber war innerhalb der zeitgenössischen Gartenbaukunst ein beliebtes Ziermotiv.

Die Orangerie

Die sich in östlicher Richtung an dieses Grottenzimmer bzw. an die Südterasse anschließende Orangerie wurde etwa gleichzeitig mit dem Teehaus errichtet. Dazu musste man mehrere kleine Gewächshäuser, die sich an der Stelle bereits befanden, entfernen. Die heutige Orangerie entspricht, anders als das Teehaus, nicht in allen Teilen der damaligen Architektur. Am Mittelbau mit Mezzaningeschoss ist der Originalzustand noch weitgehend zu sehen. Die beiden Seitenflügel wurden dagegen mehrfach überformt.

Der auffallendste Unterschied zum damaligen Bau besteht in der Dachgestaltung. In den seitlichen Außenwänden des Mezzaningeschosses sind Türgewände erkennbar, durch die man früher vermutlich auf eine balustradenumsäumte Dachterrasse hinaustreten konnte.
Auch die Fenster der Orangerieflügel lassen einen nachträglichen Einbau vermuten.
Wahrscheinlich waren die Seitenflügel, wie bei vergleichbaren Orangerien der Zeit, zum Garten hin komplett offen und wurden nur mittels Holzstellagen geschlossen.

Der mittlere Teil des Gebäudes ist wie das Teehaus klar gegliedert. Ein Mittelrisalit hebt das von Dreiviertelsäulen eingefasste Portal hervor.

Ein verkröpftes Triglyphen-Gesims bildet den Abschluss der unteren Etage, wobei wiederrum das Portal durch die Erweiterung zum Triglyphen-Rosetten-Fries betont wird. Vegetabiles Dekor und eine weibliche Büste am Schlussstein des Türgewändes schmücken das Portal, welches durch einen breiten Segmentgiebel mit Wappenkartusche abgeschlossen wird.
Die Flachbogenfenster des Mittelbaus der Orangerie kennzeichnen diese trotz der aufwendigen Eingangsgestaltung sofort als ein, dem mit Rundbogenfenstern versehenenTeehaus, untergeordnetes Gebäude.

Quellen

Uta Künzl: Archivalische Fakten zu ausgewählten Bauwerken im Altenburger Schloßgarten. In: Altenburgica, 2.Jg., Heft 2. Altenburg 1993.

Allgemeines Künstlerlexikon, K.G. Saur Verlag München Leipzig 1997